Ein Frühjahrsdramer
I. Das Yoga-Debakel und die Blümchen
Ein blauer Frühlingmorgen in NRW. Der Himmel sah aus wie frisch gewaschen. Das Jahr 2026 war da. thom hatte zufällig mal wieder frei von der Arbyte. Er stand im Garten. Er trug ein Hemd mit Tasche. Sawwwy saß in der Tasche. Sie gähnte. Sie streckte ihre winzigen Arme. Die waren immer noch dünn wie Streichhölzer. Aber extrem stark. Sawwwy kletterte aus der Tasche. Sie war very schtrong! Sie sprang auf den feuchten Rasen. Sawwwy hatte ein neues Hobby. Sie wollte gesund sein. Sie machte jetzt Yoga. Sie nannte das Joga-Brezelung. Sie verbog ihre cutesten und winzigsten Beine der Welt. Sie legte die Arme hinter den Kopf. Sie atmete laut ein. „Geriffelt!“ Sie atmete laut aus. Ein Grashalm kitzelte ihre Nase. Sawwwy hasste das. Natur war eigentlich nicht ihr Ding. Außer sie nervte nicht.
„Nervenhalm!“, brüllte sie den Grashalm, das alte POLOch, an.
Die Wiese war noch ein bisschen zu nass. Die Sonne noch ein bisschen zu hell. Der Wind in Oche wie immer zu windig. Sawwwy meckerte über alles. Gerne sogar! Sie meckerte entlängs des ganzen Beetes. thom glotzt und trank einen Schluck Kaffee. Der Kaffee blubberte laut in seinem Magen. Eine Geräuschkulisse, die nicht jedem unserer Gefährten gefallen würde – das wusste er wohl. Jetzt holte er einen Spaten. Sie mussten dringend Blumen pflanzen! Es war an der Zeit!
Sawwwy aß erstmal. Sie musste hinreichend essen. Eine dyskretionäre Haltung war so gar nicht nicht nicht nicht ihr Ding. „Ohne gesundes Essen keine gesunde Gesundheit“, sagte sie immer – mehr zu sich selbst. Sie verschlang ein riesiges Stück Keese. Das Stück war natürlich fast so groß wie sie selbst. Jetzt zum Glück aber satt. Suki lag auch auf dem Rasen. Sie sah aus wie das schmutzigste Schaf der Welt. Telepathische Wellen mal wieder. „Keeeeeese“, sagten die Wellen. Gib mir Keeeeeese. thom ignorierte das vorerst. Er pflanzte eine Blume. Mehrere Blumen – für gegebenenfalls schlechte Zeiten. Sawwwy packte spontan einen Erdklumpen. Sie warf ihn weg. „Zu braun!“, moserte sie. „Und viel zu krümelig!“
II. Der philosophierende Feind und das Telefon
Da quietschten die Gartentore hinterm Haus. Der Feind kam entlängs. Es war, wie sollte es anders sein, Johnny Hausmeisti. Er hatte einen neuen Besen und einen Laubleser. Er fegte den sauberen Weg und blas ihm einen. Das war vollkommen und sowas von unverschämt. Sawwwy spannte sämtlige Yoger-Muskeln an. Sie ballte die süßten Fäuste.
„Heeee!“, rief sie. „Du fettstrotzender Blase-Opa! Blas‘ und feg‘ deinen Dreck woanders längs!“
Johnny Hausmeisti guckte grimmig wie immer. thom grinste müde, wunk und sagte nur leise „Moin“ – und dann ganz leise „Du Otto“.
„Funk-Wurk!“, zischte Sawwwy leise aus dem feuchten Gras. „Er ist ein Nerven-Hank, den man mal mit Kaki-Klümpchen versehen sollte. Oder zumindest seine Hecke! Und alles!“
Plötzlich passierte etwas Seltsames. Die fünf kleinsten Häschen der Welt kamen um die Ecke – ephemere Gestalten, Sie wissen schon. Früher waren sie nur huschende Schatten. Jetzt liefen sie auf zwei (bis drei) Beinen – beinahe perfekt aufrecht. Eines der Häschen blieb vor Sawwwy stehen. Es räusperte sich. Es sprach in endloser Elukwenz. Es zitierte Schopenhauer und sprach von seiner Materi. Es philosophierte über das Sein der Materi. Die Grammatik war allerdings lupenrein. Ebenso die Logig!
Sawwwy rollte mit den Augen. Das Gerede störte ihre Gesundheit. Sie wollte wieder laut meckern – aber die Ephemeren waren einfach zu cute. thom bückte sich und hielt ihr etwas hin. Es war ein kleines, weißes Päckschn. Es gab keinen Geburtstag. Es war kein Valentinstag. Es lag keinste Geschenk-Situation vor. Es war einfach ein Diengstag oder so. Es war ein Telefon. Ein brandneues Blackberry – und das in 2026. Es war klitzeklein – perfekt für Sawwwys Hände und Fotoambitionen. Sawwwy starrte das Gerät an. Sie drückte einen Knopf. Der Bildschirm leuchtete auf. Guess what: Das Licht war natürlich zu grell. Der eine Knopf fehlt. – „Schaffste, Süßtenmäuschn“, sagte thom und ließ sie mit der neuen Hardware erst einmal alleine. Wenigstens war sie dadurch ein bisschen von den Ephi-Häschn abgelenk.
„Alles viel zu hell!“, meckerte sie sofort. „Tasten zu glatt! Will ich nicht – brauch‘ ich nicht, aber noch nicht sofort fott damit! Jaok.“
Also steckte sie den Gerät vorwitzig in ihre viel zu große Hose. Ein neues Telefon für die kleinste, quereligste Krähe der Welt. Das war ein klares Upgrade – und Zeit. Denn ihres war nach diversen Updates völlitsch unbrauchbar geworden.
III. Linki und Ürläub-Pläne
Das sorgfältig geplante und in Kollaboration mit sämtligen Nachbarn installierte Gartentor flog mit einem Wumms auf. Linki stand da. Das lauteste Mädchen der Welt. „Heißblütig“, sagte thom zu Sawwwy mit dem Fältchen-Augenzwunken und einem mittelmäßig elegantem Schulterzucken. Sawwwy wusste natürlig sofort, wie er so meinte.
„Schalalalalaalaaalaalaaaa!“, krakélte Linki.
Sie rannte auf Johnny Hausmeisti zu. Sie klaute Besen und Laubleser, nahm den Akku raus – „Für später, geb‘ ich Lullu!“, plante sie. Linki klettert also mit dem Akku auf den toten Stamm vom Frühlingflieder. Hängt kopfüber an einem Ast. Sie warf kleine Stöcke auf die philosophierenden, laufenlernenden Häschen, einfach aus Punk. Ein wunderbarer Schabernack. Sawwwy kicherte natürlich. Sowas war genau ihr Humor. Linki eskalierte.
„Jahaa! Komm‘ jetzt rein, Beebchen“, sagte thom und ignorierte das Chaos. „Wir müssen planen. Wir wollen doch waserleeben!“
thom und Sawwwy gingen ins Wohnzimmer auf die frischgewaschene Couch. Sie setzten sich an den kleinen Tisch, der zu schwer ist und eigentlich nervt. Sie brauchten mal wieder dringend Urlaub. Einen Ürläub. thom breitete eine Landkarte aus. Das Papier raschelte extrem laut – Kam super an bei Sawwwy, können Sie sich ja sicher, als geneigter Leser, vorstellen. Populeere Räuschkulisse!
„Zu laut!“, maulte Sawwwy. Sie hielt sich die süßten Mini-Ohren zu.
Sie suchten ein Ziel – Jakobsweg-Gumball war nix, Inseln nur ohne Püdel. Sawwwy wollte dann doch erstmal wieder Essen. Sehr viel Essen. Essen war wichtig für die Gesundheit, wir erinnern uns. Sie tippte mit dem Fuß auf einen bunten Fleck.
„Lecken-Pommenland!“, rief sie. „Da fahren wir hin!“
thom nickte. In unendlicher Elukwenz sagte er: „Jaok für mich.“
Toni sprang auf den Tisch. Toni war der kleinste Pudel der Welt – daran hatte sich überraschenderweise seit Weihnachten nix geändert. Auch wenn Sawwwy versucht hatte, sie ein bisschen am Hinterend abzuschneiden. Sie war jetzt sogar noch grauer als Grau. Sie biss sofort in die Landkarte und knürrte. Toni fand den Ürläub anscheinend gut. Er zog die Karte quer über den Tisch. Suki lag unterm Tisch. Sie schüttelte den Kopf. Packt die Karre, sandt Suki telepathisch. Vergesst aber für die Fahrt den Keese nicht…
IV. MONKI rollt los
Der nächste Morgen war da. thom hatte Keese, Püdel und natürlig Sawwy gepackt. Sie gingen raus. Da stand der dickste MONKI. MONKI war das größte Auto der Welt. Ein gigantischer Straßen-Titan. Die Reifen waren vermutlich höher als Johnny Hausmeisti, auch wenn Sie geneigter Leser, hier an Übertreibung denken. Das Auto warf einen riesigen Schatten auf die Straße, auf der die kleinsten Racer der Welt gerade mal wider mit ihren Hover-Boards Rennen und Kostturnen veranstalteten. Sawwwy stand vor dem Reifen, stämmte ihre Hände in sie schlanken Hüften und begutachtete die Situation. Sie war ja nur zehn Zentimeter groß und musterte: Ihr Speck-MONKI war sogar für Modebewusste hinreichend beladbar. „Ja, für Ürläube! Dafür bauchen wir den doch einfach!“
thom hob Sawwwy hoch. Er setzte sie auf das Armaturenbrett, neben thoms Geburtstagsaufsteller aus dem Morillenhäuschn. Da hatte sie ihren eigenen kleinen Sitz von dem sie die Welt aus bemeckern konnte. Das war herrlich für sie!
„Gurt brauchen wir nicht – haben wir im POLOch auch nicht!“, meckerte sie sofort. „Fenster zu dreckig, ruckl doch nicht so beim Anfahren!“
thom ignorierte das Gequengel geflissnetlig. Er schickte Suki und Toni in den Kofferraum: „Hopp, ihr Spasstis“. Püdel hoppten. Er startete den Motor. Der Motor klang wie ein wütender Drache. Steuerkette von Merkeden-Benk, Sie wissen schon!
Plötzlich klopft das Autofenster. Die fünf Ephi-Häschn stehen und glotzen dort. Winzige Koffer im und als Gepäck. Sie sprachen perfekt synchron. Sie hielten einen kurzen Vortrag über Reisedynamik in der modernen Gesellschaft – auf wievielen Beinen oder Reifen auch immer. Sawwwy drückte wütend auf ihr neues Telefon. Sie tippte eine böse Nachricht. Sie schickte ein wütendes Emoji an die Häschn-Eltern. „So geht nich‘! Sofort abholen kommen!“
Es klopfte auf dem Dach. Linki war da. Sie hatte sich mit einem Seil an MONKI festgebunden. Sie trug eine Skibrille.
„Auf geht’s – Pommes für alleeeee!“, schrie Linki vom Dach.
Der MONKI fuhr los. Der kleinste Ürläub der Welt begann. Sawwwy aß zur Beruhigung direkt Tofu. Keinen von thoms Cookies mit Schokolade. „Tofu beruhigt die Nerven“, krähte sie allwissen. „Beebchen, wir fahren doch jetzt Pommes essen – oh, nevermind“, entglitt es thom noch kurz kopfschüttelnd-resignierend, aber Sawwwy hatte schon die zwei Kilo Tofu von gestern von gegenüber vom Yoga-Studio inhaliert.
V. Ankunft im Lecken-Pommenland
Die Fahrt war extrem laut. MONKI brummte. Linki sang Lady-in-Black-Schalalala auf dem Dach. Endlich hielt MONKI. Sie waren da. Das Lecken-Pommland lag Mayo-ausbreitend vor ihnen.
Sawwwy kletterte wie ein Blitz aus dem Fenster. Sie atmete tief ein. Es roch fantastisch. Es roch nach unerzogener Wurst und vor allem Fett. Es roch nach Salz. Es roch nach reinstn Glück. Überall standen Berge aus Pommes. Kleine Flüsse aus Ketchup flossen entläng der Straße. Sawwwy sprang in einen Berg aus Pommes. Sie futterte sofort los. Sie aß unfassbar viel. Die Pommes waren knusprig wie Schräubschn. Und manche ein bisschen soft wie der Po vom dicken, weißen Pudel. „Zum Glück bist Du diesmal nicht geblitzt worden“, sagte Sawwwy mampfend.
„Bisschen zu salzig!“, meckerte sie glückselig mit vollem Mund. „Auch bisschn zu heiß! Aber vor allem viel zu gelb!“
Aber sie hörte nicht auf zu essen. Sie tat das ja schließlich nur für ihre Gesundheit. Suki und Toni rannten durch eine Pfütze aus Mayonnaise – Zum Glück hatte MONKI Bäutlschn on board. Linki rannte hinterher. Linki warf mit frittierten Kroketten. Das pandämonige Chaos entbrannte. Es war herrlig!
Plötzlich tauchte Johnny Hausmeisti auf. Seine Herkunft war Sawwwy nach wie vor ein Rätsel. Er fing an, die Mayonnaise zusammenzufegen. Er war und blieb eben ein 100-Prozent-Hank-Wurk.
Sawwwy wurde schwindelig. Sie hatte zu viel gegessen. Sie hatte zu viel gemeckert. Der Akku war mal wieder leer. Die Augen gehen zu. thom kam längs. Er sah sein kleinstes Beebchen der Welt. Er hob sie vorsichtig auf. Lächelte. Er steckte sie in seine Brusttasche. Es war muckelig warm. Das Herz machte Bumm-Bumm. Sawwwy kuschelte sich an den Stoff. Sie zog das Telefon aus der mäßig attraktiven Paddle-Pusher-Hose und schaltete es lautlos.
„Jahaa, Beebchen“, sagte thom. „Jahaa, Gute Nacht!“ Jetzt fahren wir mit der ganzen Baggage nach Hause. Linki freute sich, weil zu zu ihrer erkelenz’schen Maus nach Haus kam.
Und Sawwwy antwortete nicht mehr. Sie schlief. Morgen würde sie Linki beim Mampfen helfen und verdammt früh aufstehen. Sie würden die lecken Pommenberge gemeinsam erobern. Ganz bestimmt. Und ganz besonders früh! „Vier Uhr ist gut“, murmelte sie noch und entschlummerte.
„Jahaa, Beebchen“, sagte thom noch leise auf der Rückfahrt. „Loveyou*“.